Gesunde Hundeernährung: BARF, Trockenfutter oder Nassfutter?
Ein Hund, der ein Leben lang das richtige Futter bekommt, lebt im Schnitt 1,8 Jahre länger. So treffen Sie die richtige Wahl.
Wie viel Futter braucht mein Hund wirklich?
Faustformel für einen erwachsenen, normal aktiven Hund: 2 % seines Körpergewichts pro Tag bei BARF/Nassfutter, etwa 1,5 % bei Trockenfutter. Ein 20-kg-Hund braucht also rund 400 g Frischfutter oder 300 g Trockenfutter täglich. Welpen, trächtige Hündinnen und Sportler brauchen deutlich mehr (3–5 %), Senioren weniger.
Wichtiger als die Menge ist die Körperkondition (Body Condition Score, BCS). Sie sollten die Rippen ohne Druck fühlen, aber nicht sehen. Eine deutliche Taille von oben und ein hochgezogener Bauch von der Seite sind ideal. 50 % aller Hunde in Deutschland sind übergewichtig – das verkürzt die Lebenserwartung um bis zu 2 Jahre.
Trockenfutter – die unkomplizierte Lösung
Vorteile: Lange haltbar, leicht zu dosieren, günstig, zahnreinigender Effekt durch das Kauen, einfach im Urlaub mitzunehmen.
Nachteile: Stark verarbeitet, oft hoher Getreideanteil, geringer Wassergehalt (ca. 8 %), kann zu Magenüberdehnung führen, wenn der Hund hektisch frisst und danach trinkt.
Worauf achten: Fleischanteil mindestens 50 %, klare Fleischdeklaration („30 % Huhn" statt „tierische Nebenerzeugnisse"), kein Zucker, keine künstlichen Konservierungsstoffe (BHA/BHT/Ethoxyquin), Test- oder Bewertungsplattform-Bewertung über 70/100 Punkte.
Nassfutter – nah am natürlichen Bedarf
Vorteile: Hoher Wasseranteil (75–80 %), naturnaher, schmackhafter, gut für Hunde mit Nierenproblemen oder schlechten Trinkern.
Nachteile: Teurer, kürzere Haltbarkeit nach Öffnen (1–2 Tage im Kühlschrank), kein Zahnreinigungseffekt, teilweise Verpackungsmüll.
Tipp: Eine Mischung aus 60 % Nassfutter und 40 % Trockenfutter kombiniert die Vorteile – bitte aber nie in derselben Mahlzeit, sondern morgens und abends getrennt füttern (unterschiedliche Verdauungszeiten).
BARF – Biologisch artgerechte Rohfütterung
BARF orientiert sich an der Beuteernährung des Wolfs: 70 % Muskelfleisch, 20 % Knochen und Innereien, 10 % Obst und Gemüse, dazu Zusätze (Lachsöl, Algen, Eierschalen).
Vorteile: Höchste Verdaulichkeit, glänzendes Fell, oft weniger Allergien, weniger Zahnstein, individuell auf Hund anpassbar.
Nachteile: Aufwand (Einkauf, Vorbereitung, Tiefkühltruhe), Risiko von Mangelversorgung bei falscher Berechnung, Hygiene (Salmonellen, Parasiten), nicht für immungeschwächte Hunde oder Welpen ohne Beratung geeignet.
Wichtig: Lassen Sie sich am Anfang von einer ausgebildeten Ernährungsberaterin (z. B. ATN-zertifiziert) einen Plan erstellen. Selbstgemachtes BARF ohne Plan führt häufig zu Calcium-Mangel oder Eiweißüberschuss.
Was Hunde nie fressen dürfen
- Schokolade – Theobromin ist hochgiftig (5 g/kg dunkle Schokolade können tödlich sein)
- Weintrauben/Rosinen – verursachen akutes Nierenversagen
- Zwiebeln, Knoblauch, Lauch – zerstören rote Blutkörperchen
- Avocado, Macadamianüsse, Xylit (Süßstoff in Kaugummi)
- Rohes Schweinefleisch – Aujeszkysche Krankheit, immer tödlich
- Gekochte Knochen – splittern und können den Darm perforieren
- Alkohol, Kaffee, Tee
Futterumstellung in 7 Tagen
Eine abrupte Futterumstellung führt fast immer zu Durchfall. So gelingt sie:
- Tag 1–2: 75 % altes Futter, 25 % neues
- Tag 3–4: 50 / 50
- Tag 5–6: 25 / 75
- Tag 7: 100 % neues Futter
Bei sensiblen Hunden gerne auf 14 Tage strecken. Bleibt der Durchfall länger als 3 Tage oder kommt Blut ins Spiel: Tierarzt.
Allergien und Unverträglichkeiten
Etwa 10 % aller Hunde reagieren auf bestimmte Futtermittel mit Juckreiz, Ohrenentzündungen, Durchfall oder Erbrechen. Häufigste Auslöser sind Rind, Huhn, Weizen und Milchprodukte. Diagnose erfolgt über eine Ausschlussdiät mit nur einer Eiweiß- und einer Kohlenhydratquelle (z. B. Pferd + Süßkartoffel) über 8 Wochen. Eine Allergiediagnostik beim Tierarzt kostet schnell 200–600 €. Auch viele Spezialfutter sind langfristig teuer – ein Punkt, an dem eine Hundekrankenversicherung mit Diätfutter-Klausel viel Geld spart.
Wichtig: Ein Allergie-Bluttest allein hat eine schlechte Aussagekraft. Goldstandard bleibt die Eliminationsdiät. Geben Sie in den 8 Wochen wirklich nichts anderes – kein Leckerli, keine Zahnpflegeknabberei, kein Käse für Tabletten. Schon eine einzige „Ausnahme" macht das Ergebnis wertlos. Nach erfolgreicher Diät provozieren Sie gezielt einzelne Zutaten: Symptome wieder da → Allergen identifiziert.
Ernährung in besonderen Lebensphasen
Welpe: Hochwertiges Welpenfutter mit angepasstem Calcium-Phosphor-Verhältnis (1,2:1 bis 1,4:1) bis zum Abschluss des Knochenwachstums. Großrassen brauchen ein Large Breed Puppy, das langsameres Wachstum fördert.
Trächtige und säugende Hündin: Energiebedarf steigt ab der 5. Trächtigkeitswoche um 30–60 %, in der Säugezeit um bis zu 200 %. Welpenfutter geben, mehrmals täglich kleine Portionen.
Senior: Ab dem 7.–10. Lebensjahr (rasseabhängig) sinkt der Energiebedarf um etwa 20 %, der Eiweißbedarf bleibt aber hoch. Senior-Futter mit hochwertigem Protein, Glucosamin und Antioxidantien hilft Gelenken und Immunsystem.
Kranker Hund: Bei Niereninsuffizienz, Diabetes, Pankreatitis oder Tumorleiden gibt es spezielle Veterinary Diets. Diese sind nur über den Tierarzt erhältlich und meist deutlich teurer (60–120 €/Sack). Eine Versicherung mit „Diätfutter bei Indikation"-Klausel kann hier vierstellige Beträge pro Jahr sparen.
Warum „Premium“ auf der Verpackung nichts heißt
„Premium", „Super-Premium" oder „Holistic" sind keine geschützten Begriffe. Die einzige verlässliche Quelle ist die Zutatenliste. Sie ist nach Gewicht sortiert: Was vorne steht, ist mengenmäßig dominant. Steht „Mais" oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse" an erster Stelle, ist es schlechtes Futter – egal was die Marketingbotschaft sagt.
Achten Sie zusätzlich auf die analytischen Bestandteile. Faustregel für gutes Trockenfutter: 25–30 % Rohprotein, 12–18 % Rohfett, max. 5 % Rohasche, max. 3 % Rohfaser. Werte deutlich darunter oder darüber sind ein Warnsignal. Nutzen Sie unabhängige Bewertungsportale (z. B. Stiftung Warentest, ÖKO-Test, futtercheck24), um Ihr Futter objektiv einzuordnen.
Vergessen Sie auch nicht die Frische: Trockenfutter sollte nach dem Öffnen innerhalb von vier bis sechs Wochen aufgebraucht werden – die Fette werden sonst ranzig und können Magenprobleme oder Hautreaktionen auslösen. Lagern Sie das Futter kühl, trocken und in einem luftdichten Behälter. Werfen Sie nie Futter aus der Originaltüte direkt in eine Plastiktonne, ohne die Tüte mitzunehmen: Auf der Innenseite stehen Chargennummer und Mindesthaltbarkeitsdatum, die Sie bei einer Reklamation oder einem Rückruf brauchen.
Häufige Fragen
Wie oft am Tag sollte ich meinen Hund füttern? ▼
Ist getreidefreies Futter immer besser? ▼
Kann ich mit Resten vom Tisch füttern? ▼
Wie erkenne ich, ob mein Hund übergewichtig ist? ▼
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