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Reisen

Reisen mit Hund: Auto, Bahn, Flugzeug – die komplette Checkliste

Vom Wochenend-Trip bis zum Flug nach Mallorca: So planen Sie eine entspannte Reise – rechtssicher und stressfrei für Ihren Hund.

Von Mounim Sabbar · Aktualisiert am 15. Mai 2026 · 9 Min. Lesezeit
Hund schaut aus dem Autofenster auf einer Roadtrip

Vor der Reise: Was muss ich vorbereiten?

Ihr Hund braucht für jede Auslandsreise innerhalb der EU einen EU-Heimtierausweis, einen Mikrochip nach ISO-Standard und eine gültige Tollwutimpfung (Erstimpfung mindestens 21 Tage alt). Für Großbritannien, Irland, Malta, Norwegen und Finnland kommt zusätzlich eine Bandwurm-Behandlung 24–120 Stunden vor Einreise dazu. Außerhalb der EU gelten oft strengere Regeln (Tollwut-Titer, Quarantäne) – informieren Sie sich mindestens 4 Monate vorher beim Auswärtigen Amt.

Wichtig: Eine Krankenversicherung gilt in der Regel weltweit für 6–12 Monate pro Reise. Klären Sie das vor Abfahrt mit Ihrem Versicherer. Für Auslandseinsätze sollte zusätzlich eine Hundehaftpflicht mit Auslandsdeckung bestehen.

Auto: Sicher unterwegs

Laut StVO § 22 muss ein Hund im Auto so gesichert sein, dass er weder Fahrer noch Insassen gefährdet. Bei einem Unfall mit 50 km/h wirkt ein 20-kg-Hund mit einer Wucht von 1.000 kg. Empfohlen werden:

  • Transportbox im Kofferraum (sicherste Variante, crashgetestet von ADAC/TCS, z. B. 4pets, Schmidt, MIM)
  • Trenngitter bei Kombi/SUV (gut, aber Hund nicht selbst gesichert)
  • Sicherheitsgurt mit Brustgeschirr für die Rückbank (für kleine Hunde okay, für große suboptimal)

Bei Hitze nie länger als 5 Minuten im Auto lassen, auch nicht im Schatten. Innenraumtemperaturen steigen bei 25 °C Außentemperatur in 10 Minuten auf 40 °C – akute Lebensgefahr. Pausen alle 2 Stunden, Wasser anbieten, kein Futter im fahrenden Auto.

Bahn: Was die DB erlaubt

In der Deutschen Bahn fahren Hunde bis zur Größe einer Hauskatze (in einer geschlossenen Box) kostenlos. Größere Hunde brauchen eine Hundekarte zum halben Fahrpreis (Kinderfahrkarte). Maulkorb- und Leinenpflicht gelten in allen DB-Zügen. Im ICE Sprinter, im Schlafwagen und in der 1. Klasse mit Ruhebereich gibt es teils Einschränkungen.

Tipp: Sitzplatzreservierung am Fenster nehmen, gleich beim Einsteigen Decke ausrollen, Kauknochen für die ersten 30 Minuten – fast jeder Hund schläft danach ein. Bei langen Strecken Boxenpause einlegen, an Bahnsteig in eine ruhige Ecke gehen.

Flugzeug: Wann es sich lohnt – und wann nicht

Hunde bis ca. 8 kg inklusive Box dürfen bei den meisten Airlines (Lufthansa, KLM, Air France) in der Kabine fliegen. Größere Hunde reisen im klimatisierten Frachtraum – das ist für gesunde Hunde grundsätzlich sicher, aber Stress.

Achtung Brachycephalen: Mops, Französische Bulldogge, Bullmastiff, Boxer und Pekingese dürfen bei vielen Airlines nicht im Frachtraum mitfliegen, da das Risiko für Atemnot und Hitzschlag deutlich erhöht ist. Hier nur Kabine oder Bodenanreise.

Reservieren Sie immer mindestens 4 Wochen vorher (Tierplätze sind kontingentiert), trainieren Sie die Box wochenlang vorher (offene Tür, Decke, Lieblingsspielzeug), füttern Sie 6 Stunden vor Abflug nichts mehr, geben Sie keine Beruhigungsmittel ohne tierärztliche Anweisung.

Hundefreundliche Unterkünfte und Strände

In Deutschland sind viele Ferienwohnungen, Bauernhöfe und Hotels hundefreundlich – meist gegen 5–15 € pro Nacht. Plattformen wie hundeurlaub.de, HRS Pets oder die DEHOGA-Liste helfen bei der Suche. Lesen Sie immer das Kleingedruckte: Maximale Hundezahl, Größe, ob der Hund auf Polster und Bett darf, ob er allein bleiben darf.

An Nord- und Ostsee gibt es offizielle Hundestrände – außerhalb davon gilt von April bis Oktober oft Leinen- oder Verbotsregelung. In Italien, Frankreich und Spanien sind die Regeln noch unterschiedlicher; im Zweifel direkt bei der Touristeninformation des Ortes nachfragen.

12-Punkte-Reise-Checkliste

  1. EU-Heimtierausweis und Impfschutz prüfen
  2. Mikrochip-Nummer bei Tasso/Findefix aktualisieren
  3. Kontaktdaten am Halsband (mit Urlaubsadresse)
  4. Reiseapotheke (Verbandszeug, Zeckenzange, Aktivkohle, Diätnahrung)
  5. Vertrautes Futter für die gesamte Reisezeit + 2 Tage Reserve
  6. Zeckenschutz und ggf. Mittelmeerkrankheiten-Prophylaxe
  7. Adresse und Telefonnummer von Tierärzten am Reiseziel
  8. Maulkorb (in vielen Ländern Pflicht)
  9. Decke aus dem Hundekörbchen (Geruchsorientierung)
  10. Reisesicherung im Auto/Box
  11. Auslandsdeckung der Versicherung bestätigen
  12. Erste-Hilfe-Karte „Was tun im Notfall" griffbereit

Akklimatisierung am Reiseziel

Hunde sind Gewohnheitstiere. Ein Ortswechsel bedeutet Stress – auch wenn Sie ihm gleich „Urlaub" gönnen wollen. Geben Sie ihm in den ersten 24 Stunden vor allem Ruhe: Decke aus dem Hundekörbchen mitbringen, gewohntes Spielzeug, gleicher Fütterungsrhythmus. Wer den Hund am ersten Tag zur sechsstündigen Wanderung mitnimmt oder direkt in die Strandbar setzt, riskiert Durchfall, Erbrechen oder ängstliches Verhalten.

Die ersten Spaziergänge starten Sie kurz und in der Nähe der Unterkunft – der Hund muss sich seine Geruchs-Landkarte erst aufbauen. Bei Hitze passen Sie Aktivitäten an: morgens und abends raus, mittags Pause. Auf südlichen Reisen ist heißer Asphalt ein unterschätztes Risiko: Halten Sie 7 Sekunden lang den Handrücken auf den Boden – wird es unangenehm, sind die Pfoten in akuter Verbrennungsgefahr.

Mittelmeerkrankheiten – das verschwiegene Risiko

Wer mit dem Hund nach Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Griechenland oder die Türkei reist, sollte sich mit den sogenannten Mittelmeerkrankheiten auseinandersetzen: Leishmaniose, Ehrlichiose, Babesiose, Anaplasmose und Herzwurm. Übertragen werden sie durch Sandmücken, Zecken und Stechmücken. Sie können das Tier ein Leben lang chronisch krank machen – und sind nicht alle heilbar.

Schutz erreichen Sie durch repellierende Halsbänder (Scalibor, Seresto), Spot-on-Präparate (Advantix, Vectra 3D), engmaschige Zeckenkontrolle nach jedem Spaziergang und Vermeidung der Dämmerungszeit. Eine Reisemedizin-Beratung beim Tierarzt 4–6 Wochen vor Abreise ist dringend empfohlen. Nach der Rückreise: Bluttest beim Tierarzt nach 3 und nach 6 Monaten. Die Behandlung einer Leishmaniose kostet inklusive Diagnostik und Lebenslanger Medikation schnell mehr als 5.000 €. Eine Krankenversicherung mit Auslandsdeckung übernimmt diese Kosten – allerdings nur, wenn die Infektion nach Vertragsabschluss erfolgt ist.

Beachten Sie auch, dass viele Länder zusätzliche Einreisebestimmungen haben, die sich kurzfristig ändern können. Norwegen, Finnland, Malta und Großbritannien verlangen eine Bandwurmbehandlung 24–120 Stunden vor Einreise; Schweden setzt regelmäßig neue Vorgaben für Listenhunde. Für Reisen nach Marokko, in die Türkei oder die USA brauchen Sie häufig zusätzlich einen Tollwut-Antikörpertest aus einem zertifizierten Labor – der Termin dafür sollte mindestens vier Monate vor Abreise stehen. Aktuelle Auflagen finden Sie auf der Website des Auswärtigen Amts und beim BMEL.

Häufige Fragen

Brauche ich für Österreich oder die Schweiz einen Heimtierausweis?
Ja. Innerhalb der EU und der Schweiz ist der EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung Pflicht.
Darf mein Hund im Restaurant mit?
In Deutschland entscheidet der Wirt. In Italien, Frankreich und Österreich sind Hunde sehr willkommen, in Skandinavien und UK eher selten.
Was kostet ein Hund im Flugzeug?
Kabine ca. 50–80 €, Frachtraum 100–500 € je nach Strecke und Größe. Genaue Preise bei der Airline erfragen.
Gilt meine Hundekrankenversicherung im Ausland?
In der Regel ja – meistens 6–12 Monate weltweit pro Reise. Bei Langzeitaufenthalten oder Auswanderung den Tarif vorher prüfen.

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